Zum Hauptmenü springen
Zum Inhalt springen
Zur Suche springen
Zum Untermenü springen
Zum Metamenü springen
Sie sind hier: W&KZeitgenössische Kunst und KulturproduktionVermittlungSymposienDer Stadtraum als kulturelle Verhandlungszone
Untermenü: Suche: Metamenü:
Schrift verkleinernNormale SchriftgrößeSchrift vergrößernSeite ausdrucken
Hauptmenü: Inhalt:

Der Stadtraum als kulturelle Verhandlungszone

Symposium
Mi, 17.5. 2017, W&K Atelier
Organisation & Moderation: Siglinde Lang/Sandra Chatterjee

 

Die eigene Lebenswelt aktiv mitgestalten zu können gilt als zivilgesellschaftliches Grundrecht- und umfasst dabei auch das Bürgerrecht auf kulturelle Teilhabe. Doch wird dieses auch genutzt und in Anspruch genommen? Denn zumeist wissen Bürger*innen sehr genau, wo Veränderungspotentiale des eigenen städtischen Umfeldes vorliegen und welche Erneuerungen sie sich für den eigenen Stadtteil oder Block wünschen. Oft mangelt es jedoch an dem Impuls, (selbst) aktiv zu werden. Zumeist fehlen auch die erforderlichen Werkzeuge, um Prozesse des Wandels zu initiieren und Schritte des Handelns zu setzen.
Das Symposium setzt sich mit dem zivilgesellschaftlichen Potential in urbanen Veränderungsprozessen auseinander, erörtert unterschiedliche künstlerische und kulturelle Artikulations- und Handlungsstrategien und reflektiert Formen des Mit-Einanders als Praxen einer intervenierenden stadtpolitischen Haltung.

 

14.00 - 14.15 Begrüßung und Einführung
Gerbert Schwaighofer; Siglinde Lang/Sandra Chatterjee

 

14.15 - 15:00 Stadtnatur als Verhandlungszone: die Selfmade City als postkapitalistische Praxis
Christa Müller, Forschungsgesellschaft anstiftung

 

In den Experimentierräumen der Großstädte hat die Suche nach geeigneten Formen des Umgangs mit Problemlagen begonnen, auf die Markt und Staat nicht mehr antworten. Dabei entstehen neue, commons-basierte Räume, in denen sich oftmals noch junge Akteur*innen zusammentun. Sie entmüllen Brachen, bauen urbane Gemeinschaftsgärten auf, kochen mit Geflüchteten im öffentlichen Raum, installieren Freifunk, gestalten freundliche Umgebungen durch Guerilla Knitting, fordern die Stadtplanung mit neuen Nutzungen heraus, entwickeln Bauanleitungen für mobile Solarkraftwerke oder komplexe Landwirtschaftsmaschinen und stellen sie kostenfrei ins Netz. Der Vortrag geht der Frage nach, welche neuen Formen des Politischen sich im gemeinsamen Produzieren, Reparieren und Teilen von Dingen und Wissen zeigen. Im Unterschied zu älteren Praxen setzen die Akteur*innen der „new school" explizit auf Kollaboration. Damit verabschieden sie - speziell in den techniklastigen Projekten - die klassisch-moderne, maskuline Figur des Ingenieurs und ersetzen diese durch ein Zusammen-Spiel von vielen, die sich austauschen und gemeinsam etwas lernen. Technik und Subjektivität der Ersten Moderne werden tendenziell auf den Kopf gestellt, aus dem Rahmen der kapitalistischen Verwertung herausgehoben und neuen „Dilettanten-Kollektiven" übereignet. Der Vortrag von Christa Müller nimmt eine zeitdiagnostische Einordnung des Reparaturmodus im DIY/DIT vor und zeigt gesellschaftliche Bezüge und Sinnhorizonte auf, in denen diese Formen postkapitalistischen Fabrizierens gelesen werden können.

 

Christa Müller, Dr., ist Soziologin und leitet die Forschungsgesellschaft anstiftung in München. Nach langjährigen Feldforschungsaufenthalten zu Bauernbewegungen und Modernisierungsprozessen in Costa Rica, Mexiko und Westfalen wurde sie 1997 an der Universität Bielefeld in Soziologie promoviert. Seitdem forscht sie zu urbaner Subsistenz bei der anstiftung. 2011 gab sie den Band „Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt" heraus und co-kuratierte die Ausstellung „Die Produktive Stadt - Designing for Urban Agriculture" (TU Berlin und TU München). Aktuell arbeitet sie zu Do-it-yourself-Kulturen als Netzwerke postindustrieller Produktivität. Dazu erschien 2013 „Stadt der Commonisten. Neue urbane Räume des Do it yourself" (mit A. Baier und K. Werner) sowie 2016 „Die Welt reparieren. Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis" (mit A. Baier, T. Hansing und K. Werner).
Links: www.anstiftung.de; www.die-welt-reparieren.de; www.urban-gardening.eu

 

15.00 - 15:45 Kunst und Urbanität. Diskurse der (post)modernen Stadt
Simone Egger, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

 

Die moderne Kunst und die Großstadt sind biografisch eng miteinander verbunden. Dichte, Größe und Heterogenität gelten als Marker der modernen Stadt (Simmel 1905). Aus der Perspektive der Kunst ist die Stadt sowohl Möglichkeitsraum als auch Reibungsfläche, das Urbane ist „Frame" und „Setting". Akteur*innen einer kreativen Klasse beziehen sich auf soziopolitische Fragen der Zeit, sie übersetzen, ästhetisieren, abstrahieren, dokumentieren. Kunst und Kreativität prägen eine Stadt ökonomisch wie kulturell (Zukin 1998). „Postmetropolis" nennt der Geograph Edward Soja die spätmoderne Stadt, die sich aus sechs Diskursen speist. Die Rede ist unter anderem von der „Simcity" und ihren hyperrealen Repräsentationen, von der Verschiebung und Zersplitterung gebauter Formen, von der „Cosmopolis" und der Diversität der Gesellschaft (2000). Entlang analytischer Konzepte befasst sich der Vortrag mit Stadt, Kunst und Gesellschaft, fragt nach Wechselwirkungen zu unterschiedlichen Zeiten und an diversen Orten. Zu welchen Interaktionen führen schließlich die Effekte einer „Metamoderne" und auf welche Weise entwickelt sich Urbanität?

 

Simone Egger, Dr., ist seit 2016 als Postdoc-Assistentin am Institut für Kulturanalyse an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt tätig. Vorherige Stationen waren die Universität Innsbruck und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Rahmen ihres Habilitationsprojekts befasst sie sich am Exempel von Aspasia Schönwald aus Smyrna (1891-1954) mit einer transnationalen Liebe zwischen dem Osmanischen Reich, Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich sowie den Möglichkeitsräumen einer weiblichen Biografie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind u.a. Stadtforschung und Wissensvermittlung, derzeit ist Simone Egger auch an der Konzeption eines Museums beteiligt. Daneben setzt sie sich in Kunst- und Kulturprojekten mit gesellschaftlichen Prozessen und Phänomenen auseinander. Als Monografien sind bisher erschienen: „Phänomen Wiesntracht. Dirndl und Lederhosen, München und das Oktoberfest" 2008, „München wird moderner. Stadt und Atmosphäre in den langen 1960er Jahren" 2013 und „Heimat. Wie wir unseren Sehnsuchtsort immer wieder neu erfinden" 2014.

 

15:45 - 16:00 Kaffeepause

 

16:00 - 16:45 Kunst als urbane Praxis: Handlung versus Verhandlung
Hilke Berger, HafenCity Universität Hamburg

 

Die Tragweite der repräsentativen Krise der Demokratie hat auch für die Kunst als ein gesellschaftlicher Seismograph enorme Auswirkungen. Die aktuellen Entwicklungen scheinen Überlegungen künstlerischer wie theoretischer Praxis zu überholen und werfen viele Fragen auf. Künstlerisch initiierte Prozesse mit einer Ausrichtung auf Teilhabe an Stadtgestaltung sind aber kein neues Phänomen, sie gingen dem gesellschaftlich immer deutlicher werdenden Wunsch nach Möglichkeiten der Mitgestaltung voraus und liefern damit wichtige Bezugspunkte. In der Schnittstelle von politischem Aktivismus, sozialer Arbeit und städtischer Planung manifestiert sich eine neue urbane Praxis mit erheblichen Konsequenzen u.a. für etablierte Rollenmuster, disziplinäre Zuständigkeiten und Selbstverständnisse aller beteiligten Akteur*innen. Die damit verbundenen Fragen - Welche Herausforderungen bringt eine solche Arbeitsweise mit sich? Welchen Chancen und Risiken müssen hier Engagierte sich stellen? Warum funktionieren manche Projekte so gut und andere Scheitern bereits in den ersten Schritten? - werden zentral im Vortrag behandelt.

 

Hilke Berger, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Kultur der Metropole an der HafenCity Universität Hamburg und zuständig für künstlerische Forschung. Sie studierte Theaterwissenschaft sowie Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig, wo sie auch als Dozentin im Bereich perfomance studies gearbeitet hat. Neben Assistenzen u.a. im HAU in Berlin und dem Festival euro-scene war sie als Produktions- und Regieassistentin für Herbert Fritsch tätig. Sie war Jurymitglied der Kulturbehörde Hamburg für den Bereich Sprechtheater, Musiktheater und Performance. Ihre Doktorarbeit trägt den Titel: "Handlung statt Verhandlung - Kunst als gemeinsame Stadtgestaltung".

 

16.45 - 17.00 Moderierte Diskussionsrunde mit den drei Referent*innen


17:00 - 17:30 Kaffeepause

17.30 - 19:00 Ergebnispräsentationen 7hoch2


Die Ergebnisse der künstlerisch-wissenschaftlichen Begleitung von ‚7hoch2 - Festival für zivile Auftragskunst‘, das im April 2017 über temporäre künstlerische Interventionen Veränderungspotentiale im Stadtraum Salzburg sichtbar zu machen suchte, werden vorgestellt und diskutiert.


19.00 - 19.30 Reflexions- und Abschlussrunde

ab 19.30 Umtrunk