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Hantologie und Popkultur

19.10.17

Vermittlungsfiguren / Vermittlungskonflikte II – Hantologie und Popkultur:
19h / Vortrag von Didi Neidhart (Poptheoretiker, Autor, Musiker, DJ): "Geisterstunde", anschließendes Gespräch mit Diskussion und Musik im Kunstquartier (W&K-Atelier, Bergstr. 12a, 1. OG)

Einladung

Plakat

 

Als hantologie wird eine Strömung der kritischen Theorie bezeichnet, deren Emergenz in den letzten zehn Jahren sich der Poptheorie bzw. deren online-Formaten verdankt: die Wissenschaft vom Gespenstischen in der (Pop-)Kultur oder (mit Freud): die parawissenschaftliche Lehre vom Unheimlichen im Vertrauten. Ihren Ursprung hat diese ›Parawissenschaft‹ (im besten Sinn) in Jacques Derridas Marx' Gespenster (1993).

 

Der Begriff der hantologie ist lautlich im französischen Original kaum von jenem der ontologie zu unterscheiden. Diese neue Ontologie ist allerdings nur mehr mit Gespenstern zu haben, mit ihrer unheimlichen und einem anderen Verständnis von zeitlicher Präsenz verschriebenen Rückseite: Die Bedeutung von Sein und Gegenwart wird durch die Figur des Gespensts ersetzt, das weder an- noch abwesend, weder tot noch lebendig ist. Genau darin avanciert die hantologische Dimension zu einem kritischen Tool der Popkultur, die im Verdacht steht, ihr fortschrittliches Potential seit den 1980er Jahren eingebüßt zu haben und in eine endlose Revivalschleife geraten zu sein.

 

So verkörpern jene Gespenster, die sich in Songs, Filmen, Videoclips, Comics, Romanen etc. seit den 1980er Jahren ausfindig machen lassen, nicht nur ein depressiv-nostalgisches Lebensgefühl in den Ruinen der Kulturindustrie des 20. Jahrhunderts, vielmehr sind sie auch utopische Wurmlöcher in den affektiven Regimes des digitalen Spätkapitalismus, sie dienen uns als Signaturen einer verlorenen Zukunft.

 

Didi Neidhart ist freier Journalist (u.a. für SKUG, testcard, Der Standard), Autor (»Fissionen« [2014] und mit Hans Platzgumer: »Musik ist Müll« [2012]), Musiker und DJ

 

Konzeption: Anna Estermann, Christa Gürtler, Werner Michler, Clemens Peck (FB Germanistik)

 

Bildquelle: Didi Neidhart



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